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In der Fremde

Ok, bevor ich weitererzähle, was so passiert ist, mal was anderes.

 

Was mir hier aufgefallen ist, und nicht nur mir, als Ausländer hat man es in Syrien relativ einfach Menschen kennen zu lernen. Einige Beispiele:

 

Wenn man auf der Straße jemanden nach dem Weg fragt, dann wird man immer sofort gefragt, wo man herkommt, was man hier macht, wie es einem gefällt und so weiter. Manchmal bekommt man dann auch gleich Handynummern, damit man sich melden kann, wenn man Probleme hat, oder ein bisschen die Stadt gezeigt bekommen möchte oder sonst wie sich noch mal treffen möchte. Wenn man in einem Cafe sitzt, dann ist es meist so ähnlich, man kann hier einfach sehr schnell Kontakte knüpfen, da die Menschen sehr hilfsbereit sind und auch interessiert daran, was man als Ausländer in ihrem Land macht.

 

Mittlerweile kann ich verstehen, warum Ausländer in Deutschland solche Probleme haben und sich dann auch lieber unter ihren eigenen Landsleuten aufhalten. Wer wird denn in Deutschland beim Bäcker gefragt wie es einem geht? Also von jemand fremden? Eigentlich niemand. Ich empfinde das nicht als schlimm in Deutschland, denn ich bin daran gewöhnt, aber unsere Austauschgruppe wird jetzt dann im März nach Deutschland kommen und sie werden sich sicher erst mal daran gewöhnen müssen, dass nicht jeder fragt, wer sie sind, woher sie kommen und was sie in Deutschland machen.

Ich muss aber auch dazu sagen, dass Einkaufen hier viel persönlicher ist, also man hat mehr Kontakt. In nem deutschen Supermarkt darf die Dame an der Kasse nicht anfangen groß eine Konversation mit jemandem anzufangen, denn dann wird die Warteschlange länger und die Leute beschweren sich. Hier ist in jedem zweiten Haus ein kleiner Tante Emma Laden, in den man oft gar nicht reingehen kann, sondern vor der „Ausgabe“ stehen muss und dem Verkäufer dann sagt, was man haben möchte und dass dann herausgelangt bekommt. Somit hat man unmittelbar mit den Menschen zu tun und kommt auch ins Gespräch. Und es beschwert sich auch keiner, wenn man mal 15 Minuten warten muss, bis man an der Reihe ist. Oft klinken sich die Leute dann auch noch mit ins Gespräch ein.

 

Ich denke, dass ist ein großes Problem in Deutschland, und da kann ich nicht verstehen, dass von mangelnder Integration bei Ausländern gesprochen wird, denn es ist wirklich nicht einfach in unserer Gesellschaft Kontakte mit Fremden zu knüpfen. Aber so sind Kulturunterschiede nun mal, aber ein bisschen mehr Offenheit gegenüber jeglichem Fremden würde uns Deutschen sicherlich gut tun, da könnten wir uns eine gute Scheibe von den Syrern, oder den Arabern allgemein, abschneiden.

2.2.09 13:16


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Ein schmutziger Krieg und warum er nicht gewonnen wurde!

Sonntag, 18. Januar, 00:59 Uhr, Ramallah. In einer Stunde wird ca. 100 km von hier eine Waffenruhe eintreten. Eine einseitige Waffenruhe. Mazal tov Yisrael!!

1205 Tote meldet die palästinensische Nachrichtenagentur Maan News. Ja. Palästinensisch. Wir wissen nicht, ob diese Zahl wirklich stimmt. Warum nicht? Weil Israel keine ausländischen Journalisten nach Gaza reinlässt! Diese beobachten die Operation mit dem wunderschönen Namen „Gegossenes Blei“ von einem Hügel an der Grenze zu dem gottverlassenen Stück Erde. Zwischen ihnen befinden sich einige Israelis, die bei jeder Bombe, die auf Gaza herabregnet, laut aufjubeln. Was die Sache mit den Journalisten betrifft, hat sich Israel wohl ins eigene Fleisch geschnitten. Und nicht nur da.

Ein schmutziger Krieg                        

Seit über drei Wochen verfolge ich die „Ereignisse“ in und um Gaza und von Tag zu Tag werde ich fassungsloser über das was geschieht. Die Bilder, die der arabische Nachrichtensender Al Jazeera ausstrahlt sind grauenhaft. Kleine Kinder, verwundet bis zur Entstellung. Blut auf den Straßen. Verzweifelte Menschen. Zerstörte Häuser. Leichen, für die keine Leichentücher mehr übrig sind. Die Nachrichtensender aus Israel strahlen ebenfalls Bilder vom Krieg aus. Bilder der israelischen Seite. Morgens um zehn Uhr sieht man das Bild eines Hauses in Ashkelon, in das eine Rakete einschlug. Niemand wurde verletzt. Es entstand ein Sachschaden. Ein Loch. Nachmittags um vier wird immer noch dasselbe Bild gezeigt. Ach ja, und die Bewohner werden wegen Schocks behandelt. Einen Moment: Die Bewohner werden wegen Schocks behandelt während auf der anderen Seite die Leichentücher ausgehen?

Meine Freundin Kathrin und ich wurden auf eine seltsame Art von Waffen aufmerksam. Sie erinnern an eine Silvesterrakete, die in vielen kleinen Einzelteilen auf den Boden niederregnet. Wir fragten unseren israelischen Freund Gilad in Tel Aviv danach. Gilad war erstaunt: „Da habt ihr was falsch gesehen. Das sind Phosphor-Waffen. Also nicht offiziell, weil das international verboten ist, deswegen nennen wir das hier anders. Aber Phosphor ist dazu da, Menschen ziellos zu töten, wir wollen die Infrastruktur der Hamas zerstören und gezielte Schläge gegen deren Mitglieder führen.“ Einen Abend später sehen wir zusammen in israelischem Fernsehen ebendiese Waffen über Gaza niederregnen…. Was war nochmal gleich das Ziel der „Operation“?

Diese kleine Einsicht in „israelische Kriegsführung“ erklärt wohl auch die beschossenen Schulen und Moscheen, UN-Hilfsgüter – Lager, UNRWA Headquarter und schließlich auch noch Krankenhäuser..

Der Innenminister der Hamas, Said Siam ist bei einem Luftangriff auf das Haus seines Bruders mit diesem und dessen ganzer Familie getötet worden. Offenbar wusste „man“, wo er sich aufhielt. Wie ist das mit dem israelischen Standpunkt, alle Hamas Offiziellen würden sich in Bunkern unter Krankenhäusern etc(Stichwort Zivilisten als Schutzschilde) verstecken, zu vereinbaren? Einer der fünf Köpfe der Hamas tat dies offenbar nicht.

Der Ausgangspunkt

Israels Rechtfertigung dieser Katastrophe ist immer wieder die gleiche Leier: Recht auf Selbstverteidigung, sprich Stop der Raketen. In einer Sache stimme ich durchaus überein: Ein Stop der Raketen ist unabdingbar für die Bewohner in Sderot und den anderen Orten um den Gazastreifen. Doch die Raketen sind NICHT die Ausgangssituation des Gazakonflikts, sie sind bereits die AUSWIRKUNG und es ist mir unbegreiflich, wie Politiker wie unsere geschätzte Bundeskanzlerin Frau Merkel das so leicht übergehen. (Über die Folgen gewisser Aussagen hier unten fang ich gar nicht erst an)Warum schießt Hamas Raketen bzw die eigentlich viel wichtigere Frage ist, warum wird Hamas von den Menschen in Gaza nach wie vor unterstützt? Gaza ist eine humanitäre Katastrophe – dafür hätte es keiner 1205 weiterer Todesopfer bedurft. Der dichtbevölkerteste Flecken der Erde bietet seinen Bewohner ein Leben, das weit jenseits dessen liegt, was wir als menschenwürdig bezeichnen. Fangen wir bei den Grundbedürfnissen an: Es gibt kaum Nahrungsmittel, die Menschen sind abhängig von Hilfeleistungen der UN UND der israelischen Erlaubnis, diese Hilfeleistungen auch EINZUFÜHREN nach Gaza, sowie von der israelischen Laune, die Strom- und Wasserversorgung aufrechtzuerhalten, was alles andere als regelmäßig ist. Israel hat die palästinensischen Fabriken zerstört, den Fischfang verboten (genaugenommen ein Befahren der Gewässer), die Produkte des Ackerbaus können nicht ausgeführt werden – die Bewohner des Gazastreifens haben somit nicht die geringste Möglichkeit, sich selber zu versorgen, sie sind STETS auf Israel angewiesen. Und Israel hat sich in der Vergangenheit nicht gerade als großzügiger Gönner erwiesen...Genauswenig haben sie die Möglichkeit, den Gazastreifen zu verlassen, zu reisen oder lediglich Freunde oder Familie in der Westbank zu besuchen.  Die Tunnel, die von Israel in den letzten drei Wochen zerstört worden, haben bei weitem nicht nur Waffen geschmuggelt sondern die palästinensische Bevölkerung in Gaza mit lebenswichtigen Gütern aus Ägypten versorgt. Was machen Menschen, die über Jahre in dieser Situation leben? Richtig, sie radikalisieren sich. Die brutale „Einsperrpolitik“ Israels hat Hamas überhaupt erst so stark gemacht. Ein offener Gazastreifen hätte die Situation erst gar nicht so weit kommen lassen.

Was sollte erreicht werden – was wurde erreicht?

Nun ja, die Situation ist wie sie ist. Hamas spricht nur mit Waffengewalt und versteht nur Waffengewalt. Das ist die Aussage Israels. Warum frage ich mich, benutzt Israel dann genau diese Waffe, mit der Hamas so erprobt ist, anstatt eine andere Waffen einzusetzen, und Hamas völlig zu überrumpeln? Diplomatie zum Beispiel? Liegt es daran, dass Israel selber nicht fähig ist, diese Waffe einzusetzen? Oder liegt es daran, dass Israel weiß, dass Hamas durchaus auch ein kluger diplomatischer Akteur ist? Oder würde das einfach bedeuten, dass eventuell eine Einigung zustande kommen könnte, was einen Schritt in Richtung Frieden wäre und auch Eingeständnisse von israelischer Seite bedeuten würde? Viele Fragen und ich gebe zu, sehr verwirrend.

Israel ist in den Krieg gezogen, in den Verteidigungskrieg, das wollen wir nicht vergessen. Und zu dieser Uhrzeit, in zehn Minuten ist es zwei Uhr, beginnt die einseitige Waffenruhe. Denn das Ziel wurde ja „mehr als erreicht“ wie Olmert so schön sagt. Welches Ziel noch mal? Immer noch feuert Hamas Raketen nach Israel, sollte das nicht in erster Linie gestoppt werden? Hm. Nun gut, viele Menschen wurden getötet, darunter auch ein paar Hamas-Mitglieder. Das war ja auch ein Ziel. Ich bin jedoch überzeugt, dass diese Aktion mindestens doppelt so viele Radikale in Gaza geboren hat, wie gestorben „wurden“. Gab es noch ein Ziel?

Eine einseitige Waffenruhe. Warum? Weil Israel auf die Bedingungen der Hamas nicht eingeht. Wie kann die Hamas denn überhaupt wagen, Bedingungen zu stellen? Hat sie denn immer noch nicht verstanden, dass sie den Krieg verloren hat? Und überhaupt, eine Aufhebung der Gazablockade… wie dreist ist diese Forderung eigentlich. Nein, darauf kann man nicht eingehen. Aus ganz vielen Gründen. Man würde Schuld eingestehen. Es sähe auch ein bisschen so aus, als ob man den Krieg verloren hätte. Und man hat ihn ja gewonnen… Oder? Die israelischen Bedingungen für eine Waffenruhe hat denn auch Außenministerin Livni gleich mit den USA geklärt anstatt dem eigentlichen Kriegsgegner: Ein Stopp des Waffenschmuggels nach Gaza. Nachdem sowieso schon alles zerbombt wurde, der internationale Druck größer wird, und zu allem Übel auch noch Barak Obama seine Amtszeit antritt, bleibt Israel nicht mehr viel übrig, als ein Ende der Angriffe. Verbunden mit der Feststellung, das Ziel wurde erreicht.

Der Krieg ist nicht gewonnen! Und das aus einem einfachen Grund: Erst wenn Israel und Hamas an einem Verhandlungstisch sitzen, sowie Israel sich einst mit der –damals ebenfalls als Terrororganisation bezeichneten- PLO an einen Tisch gesetzt und Frieden geschaffen hat, wird Israel so etwas wie einen Sieg davontragen, wenn man davon überhaupt sprechen kann. Solange Israel weiterhin einseitige Aktionen startet, wie auch schon 2005 beim Rückzug aus Gaza, ist es einem Sieg nicht einmal ansatzweise nahe. Ein derart brutaler Angriff auf eine ganze Bevölkerung und ein anschließender einseitiger Beschluss eines Waffenstillstandes ohne die andere Seite auch nur einer Geste zu würdigen ändert NICHTS an dem Zustand der Aggression und der Belagerung in Gaza und vor allem nichts an dem Hass, den diese bei den Palästinensern mit sich bringen und somit auch nicht deren Haltung gegenüber Israel inklusive ein Stop des Raketenbeschusses.

Invasionen wie wir sie in den letzten Wochen erlebt haben, werden sich sonst immer wieder wiederholen und führen nur zu einem: Einem Erdrutsch nach hinten auf dem Weg zum Frieden und einem Erstarken der radikalen Kräfte auf palästinensischer Seite. Solange Israel es nicht schafft, die Hamas zu umgarnen und ein gegenseitiges Übereinkommen auszuarbeiten, und der Hamas die Basis ihres Erfolgs zu nehmen – den Hass auf die brutale Besatzungsmacht- wird es diese Organisation nicht besiegen. Der Frieden ist heute weiter entfernt als man es sich in Europa, Amerika und sonst wo auch nur vorstellen kann. Nur wer hier unten in diesem Land jetzt in die Gesichter der Menschen schaut und ihnen zuhört, hat den Hauch einer Ahnung von dem, was hier angerichtet worden ist.

18.1.09 01:42


Eine Busfahrt die ist lustig....oder so

Ok, es ist wieder sehhhhr viel Zeit vergangen und es is viel passiert! Bevor ich da weiter mach, wo ich aufgehört hab, mal was Aktuelles.

 

Also, es hat wohl jeder mitbekommen was im Gaza-Streifen passiert ist. Nur mal kurz so, wie wir es mitbekommen haben.

 

Also, wie ihr euch sicher denken könnt ist hier die Sichtweise etwas anders. Was ich aber auf jeden Fall sagen muss ist, dass wir vorher nichts davon mitbekommen haben. Ich hab mit ein paar Leute zu Hause geredet und jeder meinte, dass sich diese Angriffe auf den Gaza-Streifen angekündigt haben. Als es dann losging haben wir hier vor allem Al-Jazeera und auch Al-Arabiyya und Suriya-TV geguckt. Hier ist die Berichterstattung auf der Seite der Palästinenser. Reaktionen aus dem Ausland bekommt man irgendwie auch nur am Rande mit, was in den anderen arabischen Ländern passiert schon. Offizielle Reaktionen aus Syrien sind mir allerdings nicht bekannt, nur dass LKWs mit Hilfsgütern in den Gaza-Streifen geschickt wurden. Demonstrationen gab es hier auch, allerdings friedlich und auch nicht sehr groß. An Silvester gab es eine am Bab Tuma, allerdings nur eine Hand voll Jugendlicher mit Fahnen, die irgendwelche Sachen gerufen haben im Chor, leider habe ich sie nicht verstanden. Was auffällt ist, dass mittlerweile in den Fernsehern, welche in nahezu jedem Laden stehen, keine Serien mehr laufen, sondern immer irgend ein Nachrichtensender.

 

Ok, soviel dazu. Mit politischen Kommentaren werde ich mich mal eher zurückhalten.

 

 

Ähm, ok, wir waren in Lattakia und wollten wieder nach Damaskus, allerdings waren gerade die Feiertage vorbei und deswegen wollte irgendwie jeder wieder zurück nach Damaskus. Anscheinend war jeder Syrer während der Feiertage in Lattakia am Strand, in dieser Nacht haben die Taxifahrer und Minibusfahrer das Geschäft ihres Lebens gemacht.

Wir waren an der Pullman-Station und einer der Minibusfahrer meinte, dass er uns für 500 Lira mitnehmen würde. Wir haben dann ja gesagt und haben gewartet, denn er wollte den ganzen Minibus vollmachen. Außer uns waren da dann noch drei Syrer. Als wir dann eine Stunde gewartet hatten und er sein Minibüsschen immer noch nicht voll hatte, haben die Syrer mit ihm verhandelt und der meinte für 150 Lira pro Person mehr würde er sofort losfahren. Da wir da einfach nur noch weg wollten und müde waren haben wir ja gesagt. Endlich losgefahren hielt unsere Freude jedoch nicht lange an, denn circa nach einer halben Stunde ist er an der Autobahn an so nem Cafe stehen geblieben und hat dann Stress gemacht, dass er drei Personen dort gelassen hat, weil wir nicht mehr warten wollten und so weiter und so fort. Ende der Geschichte war, dass er mehr Geld wollte, also haben wir ihm versprochen dass wir ihm alle noch mal 50 Lira mehr geben und dann wollte er immer noch nicht losfahren, der eine Syrer hat ihm dann noch die letzten 100 Lira gegeben, damit er seine beschissenen 1500 Lira bekommen hat, die ihm ja angeblich durch die drei Personen, die er zurückgelassen hat, gefehlt haben. Er meinte dann, dass er uns allen nen Cafe zahlt und da bin ich dann ausgerastet. Erst kassiert er von uns das Geld und dann will er uns mit dem Geld was zu trinken kaufen. Das hätte ich auch allein gekonnt. Nach dem ich ihm das ins Gesicht geschrieen hab und ihm klargemacht hab, dass er sofort losfahren soll und es ja nicht wagen soll noch mal so eine „Pause“ zu machen, war er zwar beleidigt, ist aber losgefahren und hat auch nicht mehr gehalten. Irgendwann wollten wir quasi wieder Frieden stiften und haben ihm Kekse angeboten, die wir die ganze Zeit gegessen haben. Und da war dann alles wieder ok, er hat sogar das Singen für uns angefangen, was ziemlich lustig war. Ich meine wir haben ihn nicht unbedingt verstanden, aber es hat die ganze Situation wieder aufgelockert.

Kurz vor Damaskus meinte dann der Fahrer, dass er dringend Benzin braucht, allerdings hatte keine der Tankstellen Benzin. Irgendwann haben wir dann doch eine gefunden, dort sind wir dann auch mal alle aufs Klo und haben uns was zu Knabbern gekauft. Ab da hat unser Fahrer angefangen mehr Leute in seinen Minibus einzuladen. Ganz schnell war dann alles voll, einer war ein Musiker. Irgendwann hat er dann sein Instrument ausgepackt, es war ein Rababa, oder Kemence. Also, das ist so eine Art Geige, die man auf sein Bein stellt und dann vor dem Körper spielt. Zudem hat sie ein bis drei Seiten. Danach war gute Stimmung im Bus, denn es wurde gesungen. Der Musiker und der Busfahrer haben sich sogar einen kleinen Sängerwettstreit geliefert, was sehr lustig war. Danach sind wir noch zu dem einen Syrer nach Hause, den ich, muss ich sagen, von Anfang an sehr komisch fand. Im Bus war er schon so komisch und hat lauter unangenehme Fragen gestellt. Zum Glück hatte ich einen Ring am Finger und habe gesagt, dass ich verheiratet bin. Seit einem halben Jahr, deswegen hab ich auch noch keine Kinder. Auf die Frage, wie mein Mann es erlauben kann, dass ich ein halbes Jahr ohne ihn ins Ausland gehen kann haben die Jungs zum Glück recht schnell geschaltet und gemeint, dass sie gute Freunde von ihm sind und daher auf mich aufpassen und ich daher ohne ihn weggehen durfte. Naja, und er hat sich auch neben mich gesetzt, obwohl ich das nicht wollte und jedem der in den Minibus eingestiegen ist hat er auch gleich erzählt, dass ich verheiratet bin und noch keine Kinder hab und alles Mögliche, was wir ihm eben vorher erzählt hatten. Also mir war der Kerl sehr suspekt und im Endeffekt hatte ich recht, dass er nichts Gutes im Schilde führt, aber das ist eine andere Geschichte.

Also in Damaskus angekommen waren wir noch bei ihm, er hatte vorher seine Mutter angerufen und als wir ankamen gab es dann einen Tisch gedeckt mit Tee und Süßigkeiten und Obst. Seinem Vater hat er uns dann auch noch vorgestellt. Nach ner Stunde oder so wollte ich dann gehen und wir haben ein Taxi gesucht. Und dann kam er auch noch mit, ich meine, wir waren ja schon zu viert, aber er hat sich trotzdem noch mit ins Taxi gequetscht. Am Bab Tuma Square meinte ich dann nur noch, dass ich es nicht gut finde, dass er mitkommt und er sich doch dort von uns hätte verabschieden sollen, allerdings meine Oliver er sei ganz harmlos und wolle doch nur sehen wo wir wohnen. Da bin ich dann echt sauer geworden und meinte er darf nicht ins Haus rein und bin dann mit Nils und Thomas zurückgefallen, auch weil ich noch Waschmittel kaufen wollte. Oliver meinte dann nur, dass er gar nicht ins Haus hinein wollte, aber ich hatte trotzdem noch ein ungutes Gefühl bei dem Typen. Nun ja, nach einem langen anstrengenden Trip waren wir endlich wieder „zu Hause“.

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir bisher Aleppo als Stadt am besten gefallen hat, auch wenn die Menschen dort konservativer sind. Lattakia war eine recht offene Stadt, doch irgendwie sind die Menschen dort überall nicht so an Touristen gewöhnt. Sie bestürmen einen immer so und wollen einen irgendwie nur, naja ausnehmen. Das fand ich sehr schade, von der arabischen Gastfreundschaft, die immer so hoch gehalten wird, haben wir nicht sehr viel mitbekommen, aber ich bin mit ziemlich sicher, dass wir das auch noch erleben werden.

3.1.09 19:15


Nach langer Zeit.....Die Wiege der Zivilisation

Ok, ok ich weiß es ist sauviel Zeit vergangen, aber irgendwie finde ich immer keine Zeit. 

Also, wieder zurück zu unserem Urlaub. Ich war bei Aleppo stehen geblieben. So, wir sind dann am 3.10. von Aleppo nach Lattakia gefahren, mit so nem kleinen Bus, wo nur so circa 35 bis 40 Personen hineinpassen. Irgendwie hab ich bei solchen Bussen echt Probleme, mir ist total schlecht geworden. Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, hätte ich mich fast übergeben, konnte es aber noch unterdrücken. Wir sind dann an dem Hotel angekommen, das wir uns vorher im Reiseführer ausgesucht hatten, wir haben dann die Zimmer bezogen, da musste ich dann sofort aufs Klo rennen. Und weg war mein schönes Frühstück. Naja, nachdem ich noch den Geruch von dem Brot mit dem Honig im Gedächtnis habe und auch immer, wenn ich diese eine bestimmte flache arabische Brot rieche, erneut ins Gedächtnis bekomme, esse ich das Brot nicht mehr. Ich kann sagen, dass ich seit über einem Monat die eine Sorte Brot, die man hier immer und überall bekommt, einfach nicht mehr esse.

Nun ja, wir haben dann alle ein bisschen ausgespannt und sind dann abends an die „Strandpromenade“ gefahren. Ich setzte es in Anführungszeichen, denn der Strand war einfach nur saudreckig, das konnten wir sogar bei Dunkelheit sehen, und es waren nur Syrer dort. Naja, wir sind da dann etwas herumgelaufen und haben eine Kleinigkeit gegessen. Dort gibt’s viele Ferienhäuser, allerdings fand ich die nicht unbedingt schön. Aber mir ging’s ja nicht so gut und dem Nils dann auch nicht mehr, also sind wir sehr bald wieder in unser Hotel gefahren, Thomas und Oliver haben sich noch ein halbes Grillhähnchen und Bier gegönnt, Nils und ich sind schlafen gegangen.

Am nächsten Tag wollten wir an den Strand, allerdings ging es dem Nils dann schlechter, also sind wir erst mal in unseren Zimmern geblieben, nachdem wir gefrühstückt hatten. Um 13 Uhr hab ich dann aber so lange gequengelt bis wir zu dritt, ohne den Nils, an den Strand gefahren sind. Dort mussten wir uns dann einen Plastiktisch und Plastikstühle mieten. Oli und ich sind dann ins Meer. Ich war da schon mal eine Riesenattraktion, da ich „nur“ einen Badenanzug anhatte. Alle Frauen die ich dort gesehen habe, sind mit allen Klamotten ins Wasser, die allermeisten auch noch mit Kopftuch. Naja, wir sind dann schnell durch alle stehenden Menschenmassen durch ins tiefere Wasser. Somit war ich die nächste Sehenswürdigkeit, denn ich konnte schwimmen. Das Wasser war dort echt dreckig, du musstest an Exkrementen vorbeischwimmen und alles. Naja aber wir waren mal im Meer.

Abends haben wir uns wieder Hähnchen gekauft und auch ein paar Bier und haben uns auf den Balkon von Thomas und meinem Zimmer gesetzt. Ich muss dazu sagen, dass wir am Hauptverkehrsknotenpunkt in Lattakia gewohnt haben. Da war die ganze Nacht was los.

Am nächsten Tag sind wir dann zum Minibusbahnhof gefahren und da wurden wir dann mal wieder von allen möglichen Leuten bestürmt die uns überall hinfahren wollten. Ich war aber dieses Mal so schlau mir vorher vom Portier aufschreiben zu lassen wie viel es wohin kosten darf. Den Zettel hat der eine Busfahrer gesehen und somit musste er mit seinem Preis um die Hälfte runtergehen. Dort haben wir dann Gernot getroffen. Der Herr kam auf uns zu und wollte auch zur Saladinburg, somit waren wir zu fünft und das ganze wurde noch mal billiger, denn der Preis blieb ja der gleiche. Heute weiß ich dass er Journalist bei der TAZ in Hamburg ist, denn er hat uns noch zweimal in Damaskus besucht.

Nun ja, die Saladinburg war überwältigend!

Die Burg wurde im 10.Jahrhundert von den Byzantinern erbaut, später wurde sie dann von den Kreuzfahrern übernommen. Die Burg liegt wunderschön auf einem Bergrücken, wobei der Graben um die Burg eigens für die Verteidigung ausgehoben wurde. Nur eine Felsnadel steht noch, dort war die Zugbrücke befestigt. 1188 wurde die Burg von Saladin erobert, nach seinem Sieg über die Kreuzfahrer wurde die Burg nach ihm benannt.

Wir sind dort stundenlang herumgeklettert, danach waren meine Beine echt ausgepowert. Aber es hat echt riesigen Spass gemacht in alle Löcher hineinzukriechen und auf alle Türme zu klettern. Die Unterburg haben wir dann leider nicht mehr geschafft, zwei Stunden waren leider zu wenig. Aber laut dem Reiseführer soll es da nicht viel geben, man hat auch von oben nicht recht viel Interessantes gesehen.

Nach zwei Stunden wurden wir wieder abgeholt und sind dann in der Stadt in ein Restaurant essen gegangen. Danach haben wir uns wieder in einen der Stadtminibusse gesetzt und haben uns für 10 Lira nach Ugarit fahren lassen.

Ugarit war ein kleiner Handelsstaat am Mittelmeer, der neben Byblos einer der wichtigsten überhaupt war. 9000 v. Chr. gab es hier die erste Stadt, die erste Blütezeit hatte Ugarit in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Bekannt ist Ugarit als Wiege des Alphabets. Im 14. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich hier aus der Silbenschrift das erste Alphabet aus 30 Zeichen.

In Ugarit selbst sieht man relativ wenig, denn alle Fundstücke sind in verschiedenen Museen gelandet, auch im Nationalmuseum hier in Damaskus. Also, in Ugarit gab es nur noch alte Steine, allerdings war es beeindruckend über das ganze Areal zu blicken und sich dann vorzustellen, dass das was man sieht mindestens 3400 Jahre alt ist. Das ist echt schwer zu begreifen. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang in Ugarit sind wir wieder zum Hotel gefahren, haben unsere Sachen abgeholt und sind zur Pullman-Station um einen Bus nach Damaskus zu bekommen.

Aber das kommt wann anders, denn so langsam muss ich ins Bett, denn morgen ist wieder Uni. Ach ich bin jetzt im fünfer Kurs und ich glaube das wird stressig. Muss am Sonntag ein Referat halten 15-20 Minuten über irgendein Thema. Nun ja mal schauen was mir da so einfällt.

Also, bis ganz bald, versprochen!!

12.11.08 12:47


Israeli and PA Politics

Ein kleiner Exkurs in die derzeitige politische Situation in Israel und der Westbank. Während die westliche Welt damit beschäftigt ist, die Finanzkrise mitsamt Ursachen und Folgen zu diskutieren, beschäftigen dieses Land andere grundlegende Probleme.

Es stehen Regierungswechsel an, und das auf beiden Seiten. Im Prinzip. Wie der eine oder andere vielleicht unter all der wirtschaftlichen Aufregung mitbekommen hat, ist Ministerpräsident Olmert aufgrund von Korruptionsvorwürfen von seinen Ämtern zurückgetreten und nur noch übergangsweise zuständig, neue Parteivorsitzende der Kadima Partei ist bisherige Außenministerin Zipi Livni, die als „Sharonitin“ (in der Linie Ariel Sharons, sprich gegen einen Rückzug aus den 1967 besetzten Gebieten und eine Auflösung der Siedlungen) gilt. Livni hatte die ehrenvolle Aufgabe, eine neue Regierung bis zum 4. November zu bilden, was ihr nicht gelungen ist. Die Kadima Partei ist in der israelischen Parteienlandschaft relativ links angesiedelt, links bedeutet in Israel in Bezug auf den Palästinenserkonflikt in erster Linie, um es ein wenig lapsig zu formulieren, „wir sind bereit mit den Palästinensern zu verhandeln und Kompromisse zu schließen“. So sagen sie es zumindest. 

Derzeit geht man davon aus, dass der Kadima Partei 29 der insgesamt 120 Sitze der Knesset, des israelischen Parlaments, zufallen würden. Die geführten Koalitions-espräche scheiterten vor allem an der rechten, ultra-othordoxen Schas-Partei, die unter keinen Umständen ein geteiltes Jerusalem akzeptieren wird. (ich gebe hier keine genauere Erläuterung zu den Parteien ab, falls Interesse besteht, werde ich einen weiteren Artikel darüber anfügen). Da Livni sich nicht auf eine Minderheitsregierung einlassen möchte, die von der arabischen Minderheit gestützt werden müsste, hat sie ihr Regierungsmandat 8 Tage vor Ablauf der Frist an Präsident Shimon Peres zurückgegeben, innerhalb von 90 Tagen wird es zu Neuwahlen kommen, ich glaube die dritten innerhalb von sechs Jahren. Einzige realistische Alternative zu einer Kadima Regierung ist ein Sieg des konservativen Likudblocks, was laut Kritiker einen Stillstand der Friedensverhandlungen mit den Palästi-ensern zur Folge hätte.

Die Frage, die sich an dieser Stelle nicht nur ich, sondern auch die palästinensischen Zeitungen und sämtliche einheimische und internationale Bewohner der Westbank stellen, ist „was für Friedensverhandlungen?“. Tatsache ist, dass unter der Regierung Olmert, besonders seit der Konferenz von Annapolis im letzten Herbst, zwar ständig von Friedensgesprächen gesprochen wird, jedoch könnte wohl derzeit kein Stillstand eintreten, der nicht sowieso schon die ganze Zeit über besteht. Im Januar diesen Jahres sprach man von einem palästinensischen Staat Ende 2008. Im November 2008 ist von einem solchen nichts zu spüren. Und während Präsident Peres davon spricht, dass man einem Frieden noch nie so nahe war, fragt sich jeder Palästinenser, auf welchen Fakten diese Aussage beruht. Es gibt nach wie vor keine Einigung über Ostjerusalem, über die Siedlungen in der Westbank, über die Flüchtlingsfrage und die Grenzziehung inklusive ein Ende der Besatzung. Der Bürgermeisterkandidat von Jerusalem plant bereits eine neue Siedlung in Ostjerusalem zwischen der jüdischen Weststadt und der größten Siedlung der Westbank, Maale Adumim, während die Fatah bereits vor einem Jahr angefangen hat, die Gebäude in Ramallah, in denen die Ministerien eingerichtet sind, und die bisher nur angemietet waren, als Zeichen dafür, dass sie eines Tages nach Ostjerusalem übersiedeln werden, aufzukaufen. Ein erschreckendes Zeichen für die Resignation auf palästinensischer Seite. Geredet wird viel vom Frieden, doch zu sehen und zu spüren ist davon nichts!

Die internationale Bühne schaut gespannt auf die Wahlen mit einer leisen Furcht vor einem Rechtsruck in der israelischen Regierung während manch anderer sich denkt, ein Rechtsruck wird nicht viel ändern, außer das ausgesprochen wird, was Fakt ist, nämlich dass in naher Zukunft nichts passieren wird, egal unter welcher Regierung. Bleibt die Lage so wie sie ist, wird eine dritte Intifada nur eine Frage der Zeit sein.

Doch auch auf anderer Seite blickt man gespannt auf das neue Jahr. Im Januar 2009 läuft auch die Regierungszeit von Mahmud Abbas aus. So sagt es zumindest die Hamas, während die Fatah von einer Amtszeit bis 2010 spricht. Grund für die unterschiedliche Auffassung ist die im Sommer 2007 in Zusammenhang mit der Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas neu einberufene Regierung unter Salam Fayyad, die nur Parteien, die Mitglied der PLO sind, einbezogen hat, und somit nicht die Hamas, was zur Folge hat, dass diese Regierung von der Hamas nicht anerkannt wird. Tatsächlich war der Vorgang damals nicht gesetzeskonform, die Übernahme des Gazastreifens jedoch auch nicht

Das tut im Prinzip nicht allzu viel zur Sache, das eigentliche Problem ist, dass für Januar eine größere Auseinanderaussetzung der beiden rivalisierenden Par-eien erwartet wird. Und nun berichtet die Palestine Times, sich auf einen Journalisten der renommierten israelischen Tageszeitung „Yedeot Ahronot“ berufend, von einem Treffen ranghoher palästinensischer Fatah-Funktionäre und israelischen Militärs, bei dem die Fatah die Hamas als gemeinsamen Feind von Palästinensern und Israelis erklärt und um israelische militärische Unterstützung für die erwarteten Auseinandersetzungen wirbt. Eine militärische Macht der Hamas gibt es in der Westbank zwar nicht, jedoch verstehen es die Islamisten wie kaum ein anderer, die Bevölkerung zu mobilisieren. Was ein -mehr oder weniger offizielles- militärisches Bündnis der als korrupt geltenden und bei Palästinensern wenig Vertrauen besitzenden Fatah und der israelischen Streitkräfte im Westjordanland bedeuten würde,  – darüber wage ich kaum nachzudenken. Das würde vermutlich bei den Palästinensern das -meiner Meinung nach zurechte- Gefühl eines innerpalästinensischen Verrats auslösen, denn trotz der innerpalästinensischen Rivalitäten, wird kaum ein Palästinenser zuschauen, wie sich die Fatah-Funktionäre mit "der Besatzermacht" verbünden und sich gegen einen Teil des eigenen Volkes richten. Das wäre dann wohl der fast sichere Weg in einen weiteren Bürgerkrieg. Wie wir wissen, ist ja auch immer heiße Luft dabei – was wir in dem Fall einfach hoffen wollen.

Ich schließe mit den Worten von Schimon Peres:

Wir waren dem Frieden noch nie so nah!

1.11.08 15:35


HAIFA

Sechs Wochen sind inzwischen ins Land gegangen. Die Zeit rennt schon wieder und der Alltag nimmt seinen Lauf. Nach einer mehr oder weniger langen Auszeit in der Westbank lasse ich mich nun allmählich auch innerlich in Haifa nieder. Somit wird es Zeit, ein paar Zeilen über meinen Eindruck dieser außergewöhnlichen Stadt und mein Leben in derselbigen zu schreiben.

Während meine Kommilitonen größtenteils immer noch die Dorms bevölkern, habe ich inzwischen im unteren Viertel der Stadt Verstärkung aus Ramallah bekommen, von Veronika, die ich letztes Jahr im Goethe-Institut Ramallah kennengelernt habe. Lustigerweise sind wir Nachbarn und somit seit zwei Wochen „Homies“.

Doch zuerst eine Erklärung von oben und unten in Haifa. Fangen wir oben an: „Oben“ befindet sich die Universität von Haifa, an der auch ich derzeit so etwas wie eine Studentin bin. Ein schöner Campus auf dem Gipfel des Karmelberges mit wunderschöner Aussicht über die Umgebung. Hier verbringe ich vier Vormittage die Woche in dem verzweifelten Versuch, Hebräisch zu erlernen. Unglücklicherweise bringe ich regelmäßig Arabischkenntnisse mit ein, was vor allem meine religiöse Lehrerin doch sehr verwirrt. Aber macht nix, Verwirrung stiften hat mir ja schon immer Spaß gemacht… Im Übrigen ist diese Uni quasi eine ganze Stadt, neben der großen Bibliothek – inklusive Hans Wehr und zahlreicher deutschsprachiger Bücher – gibt es tolle Läden und jede Menge Essen (ihr kennt mich ja). Das besondere an der Uni Haifa ist – wie auch in der restlichen Stadt – der große Anteil an arabischen Mitbürgern. An keiner anderen Universität gibt es so viele arabische Studenten wie in Haifa und nach außen funktioniert das ganze sogar.

Fährt man von der Universität weiter in die Stadt, gelangt man in die Stadtteile Horev und Merkaz Carmel. Schöne, moderne Stadtteile mit exklusiven Läden, schönen Cafés und schicken Bars. Pflanzen säumen die Straßen und großzügige Häuser. Hier wohnt sozusagen der wohlhabende Teil Haifas.

Wie in den meisten an Hügeln gelegenen Städten gilt auch hier die Regel – je weiter nach oben desto exklusiver die Stadtteile oder umgekehrt – folgen wir den Straßen weiter hinab Richtung Meer gelangen wir nach ca. 30 Minuten von der Universität nach Hadar, meine derzeitige „Neighbourhood“. In Hadar braucht man eigentlich keine Hebräischkenntnisse, es reicht durchaus der russischen Sprache Herr zu sein. Vor Jahren galt Hadar als das „angesagte“ Viertel Haifas, doch nach dem Niedergang der Sowjetunion und der damit einhergehenden Massenemigration von Juden der Ostblockstaaten nach Israel, hat sich in Hadar ein Klein-Russland etabliert, der Regierung ist es bis jetzt nicht gelungen, die als „Flüchtlinge“ deklarierten Einwanderer in die Gesellschaft zu integrieren. Integration scheint auch in diesem Land keine Stärke zu sein.. Auf den ersten Blick scheint Hadar ein wenig chaotisch und „butzsch“, freakig ist es auf jeden Fall und genau deswegen mag ich diesen Stadtteil auch so gerne. Die Läden bieten unglaublich tolle Möglichkeiten zum Stöbern und in den Seitenstraßen findet man gemütliche Cafés, fernab von einer Großstadthektik.

Doch Hadar ist noch nicht der unterste Teil dieser Stadt. Direkt vor dem riesigen Hafen, der vor 60 Jahren Hauptaufnahmeplatz der vielen Flüchtlinge aus Europa war, liegt Wadi Nisnas, die arabische Nachbarschaft Haifas, ein süßer Stadtteil, mit alten verwinkelten Gassen, den typischen arabischen Gemüseläden und allem was ein arabischer Stadtteil sonst so bietet.

Die Verteilung der Stadtviertel spiegelt auch das Leben von Juden und Arabern an der Universität wieder. Mit einigen Ausnahmen kann man auch in Haifa wohl eher von einem „man lebt friedlich NEBENEINANDER“ als von einem man lebt „MITEINANDER“ reden. In Bussen und Sheruts wandern zu oft verachtende Blicke von einem zum Anderen und es scheint, als lägen zwischen Wadi Nisnas und Horev zwei Welten, die nicht nur grundverschieden sind, sondern auch nicht das Bedürfnis haben, miteinander zu verschmelzen. Dies sind jedoch nur erste Eindrücke, die ich in den nächsten Wochen noch vertiefen werde!

1.11.08 14:18


Wo Abraham die Ziegen molk...

Blogeintrag vom 10.10.

Ok, jetzt hab ich endlich wieder Zeit gefunden um meine ganzen Eindrücke der letzten Tage schriftlich festzuhalten.

 

Am letzten Mittwoch sind wir also alle in aller frühe aufgestanden und haben uns zur Pullmanstation begeben. Pullmann sind hier die großen Reisebusse. Für 200 Lira pro Person haben wir dann Plätze in einem der Busse erstanden und sind losgetuckert nach Aleppo. Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir dort dann auch an. In Aleppo hat sich unsere Gruppe dann geteilt und die vier Mädels sind alleine losgezogen und haben sich ein Hotel gesucht. Thomas, Nils, Oliver und ich sind zu Fuß erst einmal ein bisschen im Kreis gelaufen auf der Suche nach einem der Hotels aus meinem Reiseführer. Letztendlich haben wir es auch gefunden. Auch wenn wir uns alle einig sind, dass dieses Gebäude auf keinen Fall den Namen „Hotel“ tragen dürfte. Naja, wir haben zwei Doppelzimmer bekommen. Die Betten waren steinhart, aber relativ sauber. Das Bad war, naja…es gab ein Waschbecken, dann ein Stehklo und darüber etwas seitlich versetzt eine Dusche, die erstaunlich gut funktioniert hat. Naja, aber es gab eine Dachterrasse, die wir auch ausgiebig genutzt haben um zu frühstücken oder abends ein paar Bierchen zu kippen. Naja, wir sind dann auch gleich weiter, denn wir wollten nicht länger als nötig in den Zimmern bleiben.

Immer der Nase nach ging es dann quer durch die geschlossenen Suqs bis zur Umayyaden-Moschee. Dort haben wir dann auch ein Restaurant gefunden, von dem aus man einen atemberaubenden Ausblick auf die Moschee und die Zitadelle hatte. Wir saßen eigentlich direkt neben dem Minarett. Das Essen dort war auch super, der Service eher nicht. Irgendwie waren die Kellner alle ein bisschen überfordert. Mit was weiß ich allerdings nicht. Nach einem ausgiebigen Mahl haben wir uns entschlossen die Moschee von innen anzuschauen. Wir haben noch das Gebet abgewartet und sind dann hinein. Ich hatte gehofft, dass ich verhüllt genug bin mit Kopftuch und langen Klamotten wurde dann allerdings eines Besseren belehrt. Ich musste mir doch ein Umhängemäntelchen holen. Die Jungs meinten ich sah aus wie ein Jediritter.

 

Diese Moschee wurde von Walid I. (705-715) angefangen zu errichten. Da er ein umayyadischer Kalif war nennt man die Moschee so. Allerdings ist die Moschee, die man heute sieht ein „Neubau“ von 1169, nur das Minarett ist aus seldschukischer Zeit. Im Innenraum befindet sich ein Sarg, in dem angeblich die Gebeine des Zakariya, Vater des heiligen Johannes, liegen. Die Moschee an sich ist wirklich sehr schön, obwohl sie sehr schlicht ist. Besonders bemerkenswert ist der riesige Innenhof.

 

Uns hat die Moschee wirklich sehr gut gefallen, es war einfach ein total schönes Gefühl an einem warmen Abend in dieser schön beleuchteten Moschee zu stehen.

Nachdem wir uns dort satt gesehen hatten haben wir uns in Richtung Zitadelle begeben. Da diese schon geschlossen war sind wir nur einmal drumherum gelaufen. Es ist aber wirklich sehr krass, man ist mitten in einer Stadt und dann ist da ein Hügel und oben drauf steht so eine riesengroße Zitadelle, einfach so aus dem nichts.

Nach dem vielen rumlaufen sind wir dann in unser „Hotel“, denn wir waren echt müde. Obwohl man auf so einer langen Busfahrt nichts macht wird man echt unheimlich müde!

 

Nach einer interessanten Nacht in diesem Bett sind wir auf der Suche nach etwas essbarem einfach mal auf die Strasse hinaus. Es waren sehr viele Menschen unterwegs, alle dabei irgendetwas zu kaufen. Entweder etwas zu essen oder Koffer oder sonst etwas. Nun ja, wir haben auch viele Menschen mit Brot gesehen, aber irgendwie niemanden der es verkauft. Also sind wir in die Richtung losgelaufen, aus der die Menschen mit dem Brot kamen. Da ich ja glücklicherweise auch noch Türkisch kann, konnte ich auch die meisten Menschen um mich herum verstehen. Denn zum Zuckerfest war anscheinend die halbe Türkei in Aleppo, zumindest kam es einem so vor. An jeder Ecke hat man Leute Türkisch sprechen hören. Nun ja, ich hab dann jedenfalls gehört, dass die einen wussten, dass die Bäckerei in der einen Richtung seien musste und wir sind ihnen dann einfach unauffällig gefolgt. Gefunden haben wir sie dann auch, allerdings ist das keine Bäckerei gewesen, wie man sie sich so vorstellt. Es war eigentlich nur eine große Wand mit zwei kleinen Löchern darin. Tja, wir hatten uns dann schon auf eine lange Wartezeit eingestellt, denn halb Aleppo stand dort an um Brot zu bekommen. Dann wurde ich auf einmal von einem alten Mann weggezogen. Ich hab irgendwie ein bisschen Panik bekommen und meinte den Jungs sie sollen mir hinterher laufen, dann hab ich aber kapiert was der alte Mann meinte. Wie es sich in einer konservativen Stadt gehört, wird alles getrennt gemacht. Deswegen auch die beiden Ausgabelöcher in der Wand. Das eine für Männer, das andere für Frauen. Und bei der Frauenausgabe standen nur zwei Frauen. Dann hat mich der alte Mann dahinter gestellt und ich kam natürlich ganz schnell dran. Die Frau vor mir meinte, dass man hier das Brot nur Kiloweise bekommt und dass das was sie auf dem Arm hat fünf Kilo sind. Die drei Jungs dann natürlich gleich sie wollen zwei Kilo. Also hab ich das auch gekauft. War natürlich viel zu viel im Nachhinein, aber was soll’s. Somit kamen wir ziemlich schnell an Frühstück und die ganzen arabischen Männer haben die drei Jungs bei mir ganz neidisch angeschaut, denn wir konnten nach 10 ‚Minuten wieder nach Hause und frühstücken.

 

Danach sind wir zum Minibusbahnhof gefahren, denn wir wollten uns das Simeonskloster circa 30 km von Aleppo entfernt anschauen. Dort muss ich echt sagen, dass es nicht schön war. Also ich meine an dem Bahnhof. Kaum waren wir aus dem Taxi gestiegen haben uns zehn Männer bestürmt und jeder wollte uns hier und da hin fahren. Ich fand das ziemlich unangenehm von denen so eingekesselt zu werden, aber was soll man machen. Wenn man gesagt hat „Moment“ dann waren sie keine zwei Minuten ruhig und haben einen dann gleich wieder belabert. Irgendwann haben wir aufgegeben und sind bei einem eingestiegen und haben uns für 500 Lira dort hinfahren lassen. Denn über den Preis verhandeln war echt schwierig, wenn die einem nicht mal zuhören. Und die drei Männer die ich dabei hatte sind da leider auch noch etwas zu freundlich. Und als Frau da zu diskutieren ist auch kaum möglich, denn man wird echt wie ein Alien angestarrt. Naja, dort angekommen war aller Ärger vergessen, denn das alte Kloster, oder naja, das was davon übrig ist, war einfach wunderschön.

 

Das Kloster ist nach dem Heiligen Simeon (geb. wohl 390) benannt, der dort gelebt haben soll. Der Legende nach soll er in der Mitte der heutigen Klosterruinen auf einer 19 m hohen Säule mit 4 m² Fläche die letzten 30 Jahre seines Lebens gelebt haben. Er soll schon als Kind ein Asket gewesen sein und deswegen wurden ihm sehr bald Wundertaten zugesprochen. Da dann sehr viele Pilger kamen, die seinen Segen haben wollten, entstand ein Pilgerdorf um das Kloster. Seinen Klosterbrüdern war das natürlich nicht recht, deswegen zog er in eine Höhle. Allerdings brachte das auch nichts. Daher zog er dann auf diese Säule und erhielt einmal die Woche Nahrungsmittel Diese Säule hatte er auf einem Berg errichten lassen, drum herum entstanden mehrere Kirchen und auch wieder Pilgerstädte. Nach seinem Tod wurde um die Säule die Kirchenanlage errichtet, Reste der Säule kann man heute noch sehen.

 

Auch der Ausblick vom Kloster war toll, denn die Umgebung dort ist richtig grün. Nach sechs Wochen Damaskus hat sich jeder von uns über ein paar Bäume und frische Luft gefreut.

Nach circa zwei Stunden sind wir dann wieder zurückgefahren.

Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel sind wir dann in Richtung Zitadelle aufgebrochen. Dort angekommen war es echt schwierig hineinzukommen, denn irgendwie wollte ganz Aleppo dort rein. Ich muss auch sagen, dass es echt anstrengend war dort, denn an Feiertagen gehen die Kinder in Aleppo nicht auf den Bolzplatz oder so was, sie waren alle in der Zitadelle und sind dort rumgeturnt. Zudem waren noch sehr viele arabische Touristen dort.

Nun ja wir haben es jedoch geschafft und waren drinnen. Nils musste nur 10 Lira Eintritt zahlen, wir anderen drei jedoch 150, denn wir hatten vergessen uns einen internationalen Studentenausweis machen zu lassen. Und unser Zettelchen aus Erlangen zählt da natürlich nicht.

Also, man muss sich das ganz anders vorstellen als eine Zitadelle oder Burg in Deutschland. Bei uns hat man ja ein paar Gebäude und dann einen relativ großen Burghof. Das war hier überhaupt nicht der Fall. Es gab so gut wie keinen Hof, es war alles voll gebaut. Da ein Hammam, da eine Moschee, da ein keine Ahnung was, es war alles voll mit Gebäuden!!

 

Im 10.Jahrhunder v .Chr. errichteten die Hethiter einen Tempel auf dem Berg in Aleppo. Im 4.Jhdt v. Chr. errichteten die Seleukiden die erste Schutzburg an dieser Stelle. Saif ad-Dawla ließ die Zitadelle ausbauen, sie wurde zum Hauptstützpunkt der Muslime im Norden Syriens im Kampf gegen die Byzantiner. Aleppo war immer ein strategisch wichtiger Punkt und wurde immer wieder zerstört, allerdings auch immer wieder neu aufgebaut. So wie man die Zitadelle heute sieht stammt sie größtenteils aus dem 12. Jahrhundert. Beeindruckend ist vor allem das Eingangsportal oberhalb der großen Steinbrücke. Danach muss man fünf Mal abbiegen bis man ins Innere der Zitadelle gelangt. Der Sarg, der kurz vor dem Ausgang steht, beherbergt angeblich die Gebeine des heiligen Georg. Außer den ganzen alten Gebäuden kann man noch den Thronsaal aus mamlukischer Zeit sehen.

 

Der Thronsaal war sicherlich das Schönste an der ganzen Zitadelle, die Decke ist so wunderschön restauriert, es sind sehr sehr schöne Malereien.

Ok, das ist das was uns am besten gefallen hat, die ganzen Syrer hatten ein anderes Highlight. Und das war der NILS!!! Ich weiß nicht wie viele Leute ein Foto mit ihm haben wollten, aber wenn er Geld dafür verlangt hätte, hätten wir uns vielleicht eine Nacht im Meridien Hotel leisten können. Nun ja, ein Mann mit langen Locken ist schon auch echt ne Seltenheit hier.

Wir mussten leider feststellen, dass uns der Blick auf die Zitadelle von außen mehr fasziniert hat als das Innenleben. Allerdings hatte man einen fantastischen Ausblick von dort über die Stadt.

 

Danach sind wir ein bisschen durch die Suqs gestreift, wir wollten uns noch ein paar Dinge anschauen, nur leider waren die meisten Gebäude geschlossen. Somit sind wir abends wieder Essen gegangen und haben den Abend danach bei einem guten Bierchen auf unserer Dachterrasse ausklingen lassen.

 

Am nächsten Morgen sind wir dann wieder zum Busbahnhof, denn wir wollen weiter nach Lattakia fahren. Für 150 Lira pro Person haben wir auch wider unsere Sitzplätze bekommen. Dieses Mal war es allerdings kein so großer Bus, nur einer in den so um die 35-40 Personen passen.

 

Abschließend kann ich sagen, dass mir Aleppo sehr gut gefallen hat, als Stadt. Zur Bevölkerung kann ich nur sagen, dass es sehr konservativ ist, man hat kaum Frauen gesehen, Unverschleierte gab es gar nicht. Oder sie kamen eben aus der Türkei um über die Feiertage Urlaub zu machen. Aber nicht nur dass es als Frau unangenehm war, sondern auch allgemein wurde man ziemlich angestarrt, denn Aleppo ist Touristen anscheinend noch nicht so gewohnt wie Damaskus. Man wurde doch überall ganz schön angeglotzt. Auch am Busbahnhof, ich war bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine von sehr wenigen Frauen und natürlich die einzige ohne ein Kopftuch. Was meiner Meinung nach allerdings wieder nicht zu dem konservativen Image passt war, dass kein Mensch gefragt hat, ob Thomas und ich verheiratet sind, als wir ein Doppelzimmer gemietet haben. So etwas hatte ich eher erwartet, aber dem Typen, der uns die Zimmer vermietet hat, was das total egal. Ich mein gut war das, aber irgendwie hatte ich zumindest einen schiefen Blick erwartet. Nun ja, das war also unser Trip nach Aleppo. .

 

Demnaechst kommt noch der Rest, nur der Johannes ist grad da....und da hab ich natuerlich weniger Zeit....

 

Also bis bald!

17.10.08 15:20


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