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Wo Abraham die Ziegen molk...

Blogeintrag vom 10.10.

Ok, jetzt hab ich endlich wieder Zeit gefunden um meine ganzen Eindrücke der letzten Tage schriftlich festzuhalten.

 

Am letzten Mittwoch sind wir also alle in aller frühe aufgestanden und haben uns zur Pullmanstation begeben. Pullmann sind hier die großen Reisebusse. Für 200 Lira pro Person haben wir dann Plätze in einem der Busse erstanden und sind losgetuckert nach Aleppo. Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir dort dann auch an. In Aleppo hat sich unsere Gruppe dann geteilt und die vier Mädels sind alleine losgezogen und haben sich ein Hotel gesucht. Thomas, Nils, Oliver und ich sind zu Fuß erst einmal ein bisschen im Kreis gelaufen auf der Suche nach einem der Hotels aus meinem Reiseführer. Letztendlich haben wir es auch gefunden. Auch wenn wir uns alle einig sind, dass dieses Gebäude auf keinen Fall den Namen „Hotel“ tragen dürfte. Naja, wir haben zwei Doppelzimmer bekommen. Die Betten waren steinhart, aber relativ sauber. Das Bad war, naja…es gab ein Waschbecken, dann ein Stehklo und darüber etwas seitlich versetzt eine Dusche, die erstaunlich gut funktioniert hat. Naja, aber es gab eine Dachterrasse, die wir auch ausgiebig genutzt haben um zu frühstücken oder abends ein paar Bierchen zu kippen. Naja, wir sind dann auch gleich weiter, denn wir wollten nicht länger als nötig in den Zimmern bleiben.

Immer der Nase nach ging es dann quer durch die geschlossenen Suqs bis zur Umayyaden-Moschee. Dort haben wir dann auch ein Restaurant gefunden, von dem aus man einen atemberaubenden Ausblick auf die Moschee und die Zitadelle hatte. Wir saßen eigentlich direkt neben dem Minarett. Das Essen dort war auch super, der Service eher nicht. Irgendwie waren die Kellner alle ein bisschen überfordert. Mit was weiß ich allerdings nicht. Nach einem ausgiebigen Mahl haben wir uns entschlossen die Moschee von innen anzuschauen. Wir haben noch das Gebet abgewartet und sind dann hinein. Ich hatte gehofft, dass ich verhüllt genug bin mit Kopftuch und langen Klamotten wurde dann allerdings eines Besseren belehrt. Ich musste mir doch ein Umhängemäntelchen holen. Die Jungs meinten ich sah aus wie ein Jediritter.

 

Diese Moschee wurde von Walid I. (705-715) angefangen zu errichten. Da er ein umayyadischer Kalif war nennt man die Moschee so. Allerdings ist die Moschee, die man heute sieht ein „Neubau“ von 1169, nur das Minarett ist aus seldschukischer Zeit. Im Innenraum befindet sich ein Sarg, in dem angeblich die Gebeine des Zakariya, Vater des heiligen Johannes, liegen. Die Moschee an sich ist wirklich sehr schön, obwohl sie sehr schlicht ist. Besonders bemerkenswert ist der riesige Innenhof.

 

Uns hat die Moschee wirklich sehr gut gefallen, es war einfach ein total schönes Gefühl an einem warmen Abend in dieser schön beleuchteten Moschee zu stehen.

Nachdem wir uns dort satt gesehen hatten haben wir uns in Richtung Zitadelle begeben. Da diese schon geschlossen war sind wir nur einmal drumherum gelaufen. Es ist aber wirklich sehr krass, man ist mitten in einer Stadt und dann ist da ein Hügel und oben drauf steht so eine riesengroße Zitadelle, einfach so aus dem nichts.

Nach dem vielen rumlaufen sind wir dann in unser „Hotel“, denn wir waren echt müde. Obwohl man auf so einer langen Busfahrt nichts macht wird man echt unheimlich müde!

 

Nach einer interessanten Nacht in diesem Bett sind wir auf der Suche nach etwas essbarem einfach mal auf die Strasse hinaus. Es waren sehr viele Menschen unterwegs, alle dabei irgendetwas zu kaufen. Entweder etwas zu essen oder Koffer oder sonst etwas. Nun ja, wir haben auch viele Menschen mit Brot gesehen, aber irgendwie niemanden der es verkauft. Also sind wir in die Richtung losgelaufen, aus der die Menschen mit dem Brot kamen. Da ich ja glücklicherweise auch noch Türkisch kann, konnte ich auch die meisten Menschen um mich herum verstehen. Denn zum Zuckerfest war anscheinend die halbe Türkei in Aleppo, zumindest kam es einem so vor. An jeder Ecke hat man Leute Türkisch sprechen hören. Nun ja, ich hab dann jedenfalls gehört, dass die einen wussten, dass die Bäckerei in der einen Richtung seien musste und wir sind ihnen dann einfach unauffällig gefolgt. Gefunden haben wir sie dann auch, allerdings ist das keine Bäckerei gewesen, wie man sie sich so vorstellt. Es war eigentlich nur eine große Wand mit zwei kleinen Löchern darin. Tja, wir hatten uns dann schon auf eine lange Wartezeit eingestellt, denn halb Aleppo stand dort an um Brot zu bekommen. Dann wurde ich auf einmal von einem alten Mann weggezogen. Ich hab irgendwie ein bisschen Panik bekommen und meinte den Jungs sie sollen mir hinterher laufen, dann hab ich aber kapiert was der alte Mann meinte. Wie es sich in einer konservativen Stadt gehört, wird alles getrennt gemacht. Deswegen auch die beiden Ausgabelöcher in der Wand. Das eine für Männer, das andere für Frauen. Und bei der Frauenausgabe standen nur zwei Frauen. Dann hat mich der alte Mann dahinter gestellt und ich kam natürlich ganz schnell dran. Die Frau vor mir meinte, dass man hier das Brot nur Kiloweise bekommt und dass das was sie auf dem Arm hat fünf Kilo sind. Die drei Jungs dann natürlich gleich sie wollen zwei Kilo. Also hab ich das auch gekauft. War natürlich viel zu viel im Nachhinein, aber was soll’s. Somit kamen wir ziemlich schnell an Frühstück und die ganzen arabischen Männer haben die drei Jungs bei mir ganz neidisch angeschaut, denn wir konnten nach 10 ‚Minuten wieder nach Hause und frühstücken.

 

Danach sind wir zum Minibusbahnhof gefahren, denn wir wollten uns das Simeonskloster circa 30 km von Aleppo entfernt anschauen. Dort muss ich echt sagen, dass es nicht schön war. Also ich meine an dem Bahnhof. Kaum waren wir aus dem Taxi gestiegen haben uns zehn Männer bestürmt und jeder wollte uns hier und da hin fahren. Ich fand das ziemlich unangenehm von denen so eingekesselt zu werden, aber was soll man machen. Wenn man gesagt hat „Moment“ dann waren sie keine zwei Minuten ruhig und haben einen dann gleich wieder belabert. Irgendwann haben wir aufgegeben und sind bei einem eingestiegen und haben uns für 500 Lira dort hinfahren lassen. Denn über den Preis verhandeln war echt schwierig, wenn die einem nicht mal zuhören. Und die drei Männer die ich dabei hatte sind da leider auch noch etwas zu freundlich. Und als Frau da zu diskutieren ist auch kaum möglich, denn man wird echt wie ein Alien angestarrt. Naja, dort angekommen war aller Ärger vergessen, denn das alte Kloster, oder naja, das was davon übrig ist, war einfach wunderschön.

 

Das Kloster ist nach dem Heiligen Simeon (geb. wohl 390) benannt, der dort gelebt haben soll. Der Legende nach soll er in der Mitte der heutigen Klosterruinen auf einer 19 m hohen Säule mit 4 m² Fläche die letzten 30 Jahre seines Lebens gelebt haben. Er soll schon als Kind ein Asket gewesen sein und deswegen wurden ihm sehr bald Wundertaten zugesprochen. Da dann sehr viele Pilger kamen, die seinen Segen haben wollten, entstand ein Pilgerdorf um das Kloster. Seinen Klosterbrüdern war das natürlich nicht recht, deswegen zog er in eine Höhle. Allerdings brachte das auch nichts. Daher zog er dann auf diese Säule und erhielt einmal die Woche Nahrungsmittel Diese Säule hatte er auf einem Berg errichten lassen, drum herum entstanden mehrere Kirchen und auch wieder Pilgerstädte. Nach seinem Tod wurde um die Säule die Kirchenanlage errichtet, Reste der Säule kann man heute noch sehen.

 

Auch der Ausblick vom Kloster war toll, denn die Umgebung dort ist richtig grün. Nach sechs Wochen Damaskus hat sich jeder von uns über ein paar Bäume und frische Luft gefreut.

Nach circa zwei Stunden sind wir dann wieder zurückgefahren.

Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel sind wir dann in Richtung Zitadelle aufgebrochen. Dort angekommen war es echt schwierig hineinzukommen, denn irgendwie wollte ganz Aleppo dort rein. Ich muss auch sagen, dass es echt anstrengend war dort, denn an Feiertagen gehen die Kinder in Aleppo nicht auf den Bolzplatz oder so was, sie waren alle in der Zitadelle und sind dort rumgeturnt. Zudem waren noch sehr viele arabische Touristen dort.

Nun ja wir haben es jedoch geschafft und waren drinnen. Nils musste nur 10 Lira Eintritt zahlen, wir anderen drei jedoch 150, denn wir hatten vergessen uns einen internationalen Studentenausweis machen zu lassen. Und unser Zettelchen aus Erlangen zählt da natürlich nicht.

Also, man muss sich das ganz anders vorstellen als eine Zitadelle oder Burg in Deutschland. Bei uns hat man ja ein paar Gebäude und dann einen relativ großen Burghof. Das war hier überhaupt nicht der Fall. Es gab so gut wie keinen Hof, es war alles voll gebaut. Da ein Hammam, da eine Moschee, da ein keine Ahnung was, es war alles voll mit Gebäuden!!

 

Im 10.Jahrhunder v .Chr. errichteten die Hethiter einen Tempel auf dem Berg in Aleppo. Im 4.Jhdt v. Chr. errichteten die Seleukiden die erste Schutzburg an dieser Stelle. Saif ad-Dawla ließ die Zitadelle ausbauen, sie wurde zum Hauptstützpunkt der Muslime im Norden Syriens im Kampf gegen die Byzantiner. Aleppo war immer ein strategisch wichtiger Punkt und wurde immer wieder zerstört, allerdings auch immer wieder neu aufgebaut. So wie man die Zitadelle heute sieht stammt sie größtenteils aus dem 12. Jahrhundert. Beeindruckend ist vor allem das Eingangsportal oberhalb der großen Steinbrücke. Danach muss man fünf Mal abbiegen bis man ins Innere der Zitadelle gelangt. Der Sarg, der kurz vor dem Ausgang steht, beherbergt angeblich die Gebeine des heiligen Georg. Außer den ganzen alten Gebäuden kann man noch den Thronsaal aus mamlukischer Zeit sehen.

 

Der Thronsaal war sicherlich das Schönste an der ganzen Zitadelle, die Decke ist so wunderschön restauriert, es sind sehr sehr schöne Malereien.

Ok, das ist das was uns am besten gefallen hat, die ganzen Syrer hatten ein anderes Highlight. Und das war der NILS!!! Ich weiß nicht wie viele Leute ein Foto mit ihm haben wollten, aber wenn er Geld dafür verlangt hätte, hätten wir uns vielleicht eine Nacht im Meridien Hotel leisten können. Nun ja, ein Mann mit langen Locken ist schon auch echt ne Seltenheit hier.

Wir mussten leider feststellen, dass uns der Blick auf die Zitadelle von außen mehr fasziniert hat als das Innenleben. Allerdings hatte man einen fantastischen Ausblick von dort über die Stadt.

 

Danach sind wir ein bisschen durch die Suqs gestreift, wir wollten uns noch ein paar Dinge anschauen, nur leider waren die meisten Gebäude geschlossen. Somit sind wir abends wieder Essen gegangen und haben den Abend danach bei einem guten Bierchen auf unserer Dachterrasse ausklingen lassen.

 

Am nächsten Morgen sind wir dann wieder zum Busbahnhof, denn wir wollen weiter nach Lattakia fahren. Für 150 Lira pro Person haben wir auch wider unsere Sitzplätze bekommen. Dieses Mal war es allerdings kein so großer Bus, nur einer in den so um die 35-40 Personen passen.

 

Abschließend kann ich sagen, dass mir Aleppo sehr gut gefallen hat, als Stadt. Zur Bevölkerung kann ich nur sagen, dass es sehr konservativ ist, man hat kaum Frauen gesehen, Unverschleierte gab es gar nicht. Oder sie kamen eben aus der Türkei um über die Feiertage Urlaub zu machen. Aber nicht nur dass es als Frau unangenehm war, sondern auch allgemein wurde man ziemlich angestarrt, denn Aleppo ist Touristen anscheinend noch nicht so gewohnt wie Damaskus. Man wurde doch überall ganz schön angeglotzt. Auch am Busbahnhof, ich war bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine von sehr wenigen Frauen und natürlich die einzige ohne ein Kopftuch. Was meiner Meinung nach allerdings wieder nicht zu dem konservativen Image passt war, dass kein Mensch gefragt hat, ob Thomas und ich verheiratet sind, als wir ein Doppelzimmer gemietet haben. So etwas hatte ich eher erwartet, aber dem Typen, der uns die Zimmer vermietet hat, was das total egal. Ich mein gut war das, aber irgendwie hatte ich zumindest einen schiefen Blick erwartet. Nun ja, das war also unser Trip nach Aleppo. .

 

Demnaechst kommt noch der Rest, nur der Johannes ist grad da....und da hab ich natuerlich weniger Zeit....

 

Also bis bald!

17.10.08 15:20
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ML (18.10.08 11:49)
schön mal wieder was von dir zu hören - besonders wenn du was von "warmen Abend" erzählst wird man doch etwas neidisch...


Sas (20.10.08 08:17)
ich merke beim lesen immer, dass das land nichts für mich wäre.

aber die geschichte mit "nils als star" find ich doch amüsant. aber ich kann mich erinnern, dass man damals bei der kreuzfahrt den amis auch gesagt hat, dass sie in schweden bitte nicht die blonden menschen fotografieren sollen.


Denny (31.10.08 17:56)
Warum waere denn das Land nichts fuer dich, liebe Sas?
So, wollt die ganze Zeit was schreiben, aber irgendwie, aber der Johannes is nur noch bis naechste Woche da und dann is mir bestimmt staendig langweilig, dann schreib ich ganz viel.....ach und ML ich muss dir demnaechst mal ne mail schreiben, denn ich brauche deinen Rat.

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